... und so hat`s mich erwischt:

 

Ich hätte mir nie träumen lassen dass ich, der ich eigentlich immer die größte Memme war wenn es darum ging, irgendwo ins kalte Wasser zu springen (sei es am heimischen Baggersee oder an der Costa Brava - immer war ich derjenige, der am längsten nur bis zu den Knien im Wasser stand und den anderen erst mal eine Weile beim Schwimmen zusah) jemals anfangen würde zu Tauchen.

Doch als ich 1996 zusammen mit meiner Freundin Australiens Ostküste bereiste sollte sich dieser Zustand schlagartig ändern: Wir waren mit unserem gemieteten Wohnmobil von der wunderschönen Hafenstadt Cairns im Nordosten Australiens aus in Richtung Süden unterwegs, und hatten uns an diesem Tag für einen Bootsausflug ans Great Barrier Reef angemeldet. Wir trafen uns früh morgens am Hafen, wo schon eine kleine Gruppe junger Leute erwartungsvoll auf dem Steg vor dem Ankerplatz der "Falla" standen. Kurze Zeit darauf erschien die Crew des Zweimasters an Deck und bat uns freundlich mit dem typischen Charme der Aussies an Bord. Zu diesem Zeitpunkt war ich fest der Überzeugung, dass wir lediglich zum Schnorcheln rausfuhren, und danach noch einer kleinen unbewohnten Insel einen Besuch abstatten würden. Nach ca. einer halben Stunde Fahrt zeigte uns einer der Bootsmänner die Tauchausrüstungen und fragte uns ob wir Lust zum Scubadiving hätten. "I was never diving before in my life" sagte ich, doch das sei kein Problem meinte er. "Do you have any problems with your heart, your lung or your ears?" Ich schaute Ihn mit großen Augen an und schüttelte dabei den Kopf - vor Problemen dieser Art bin ich bis jetzt zum Glück verschont geblieben. "Okay, wenn ich schon mal hier bin und die Gelegenheit dazu habe, dann probier ich das jetzt mal aus" sagte ich zu meiner Freundin, die dem Ganzen noch etwas skeptisch gegenüberstand. Ich zwang mich also in den etwas ekligen, nasskalten, leicht modrig riechenden Neoprenanzug, schnallte mir den Bleigurt um, den man mir in die Hand gedrückt hat, und begab mich zu dem Tauchlehrer, der gerade dabei war das Tauchgerät bestehend aus Jacket, Flasche und Lungenautomat zusammenzubauen. Er half mir dabei, das schwere Geraffel, das aufgesetzt wird wie ein Rucksack im Sitzen anzulegen, und erklärte mir die Funktion und Bedienung des Tauchgerätes, sowie die Unterwasser-Zeichensprache. Jetzt brauchte ich nur noch ein paar passende Flossen und eine Maske und schon sah ich aus wie ein echter Froschmann. Mittlerweile waren wir am Riff angekommen, und es wurde ernst: mein allererster Tauchgang stand nun unmittelbar bevor. Ich hatte solchen Schiss, dass ich am liebsten wieder einen Rückzieher gemacht hätte zumal mir sehr wohl bekannt war, dass es in diesen Gewässern vor Haien wimmelt! Natürlich war ich mal wieder der letzte der ins Wasser sprang...

Im Wasser musste ich mich erst mal wieder sammeln, da es mich bei der Rolle Rückwärts über die Reling so verzwirbelt hatte, dass ich kurzfristig nicht mehr wusste wo oben und unten ist. Als sich mein Puls wieder etwas normalisiert hatte versuchte ich mit dem Lungenautomaten ein paar Züge mit dem Kopf unter Wasser zu atmen - gut, das funktionierte schon mal... . Der Tauchlehrer, der an meiner Seite schwamm erklärte mir dann, dass wir jetzt 2 - 3 Meter am Ankerseil abtauchen würden, und ich versuchen soll, so ruhig wie möglich zu atmen und einen Druckausgleich herzustellen. Anfangs zog ich die Luft aus dem Automaten als wollte ich versuchen die Flasche mit einem Zug leerzubekommen - das glasklare Wasser und die vielen bunten Fische konnte ich für den ersten Moment überhaupt nicht wahrnehmen, weil ich nur auf meine Atmung konzentriert war. Doch plötzlich von einer Sekunde auf die andere löste sich ein Krampf in mir und ich konnte atmen wie an Land - ganz normal und ruhig. Ich hörte nur noch das Blubbern meiner eigenen Luftblasen. Wir gaben uns gegenseitig das "O.K.-Zeichen", dann nahm er mich an der Hand, und wir tauchten gemeinsam weiter ab...

Diese bunte Unterwasserwelt und das Gefühl darüber hinweg zu schweben war so faszinierend, dass ich die Zeit total vergaß - wir gleiteten an Korallen vorbei, die wie bizarre Gebilde über dem Schneeweißen Sandboden emporragen, Anemonenfische huschten zwischen den Tentakeln der Anemone herum, blaue Seesterne lagen da wie hingemalt und ein dicker Napoleonfisch glotzte uns neugierig an.

Nach ca. 30 min. erreichten wir wieder die Wasseroberfläche - die Angst, dass da irgend was unbekanntes, ekliges um meine Füße herumschwimmen könnte habe ich seither komplett verloren. Ich war so begeistert und fasziniert von dieser anderen Welt, dass mich das Tauchen bis heute nicht mehr losgelassen hat. Meine Freundin war vom Schnorcheln ebenso begeistert, dass wir beide wenige Monate später in Deutschland den Tauchschein gemacht haben.